Als "Sensibelchen" durchs (Berufs)leben

Ich war noch nie besonders schlagfertig. Schon das Wort mag ich nicht – ich will ja nicht schlagen! Diese fehlende Spontaneität mit Worten hat in meinem Leben schon oft zu Situationen geführt, in denen ich wie ein begossener Pudel dastand oder mir wie ein verschüchtertes Mädchen vorkam.

  

In jeder Beziehung (egal welcher Art) kommt es mal zu Auseinandersetzungen. Wenn diese in ruhigem Ton verliefen oder ich mich darauf vorbereiten konnte, war das kein Problem. Im Leben – und oft auch im Berufsleben – kamen solche Situationen aber häufig überraschend.

 

Da ist plötzlich der Kunde am Telefon, der sich stinksauer über etwas beschwert. Oder der Chef, der mir 5 Minuten vor Arbeitsschluss noch einen Stapel dringender Arbeit auf den Schreibtisch knallt. In solchen Situationen sollte ich doch für mich einstehen, mich wehren ... doch die einzige Reaktion war Schockstarre. Totale Reizüberflutung und kurzfristiger Betriebsunterbruch im Gehirn.

 

Erst wenn alles vorüber war, kam der innere Kritiker, der alles besser gemacht hätte und sich ärgert, weil ich wieder nicht schlagfertig war.

 

Erst wenn alles vorüber war, kam der innere Kritiker, der alles besser gemacht hätte und sich ärgert, weil ich wieder nicht schlagfertig war. Solche Situationen haben mir meinen Berufsalltag oft zur Last gemacht. Verschlimmert hat es die Tatsache, dass ich immer schon vorher wusste, dass etwas Unheilvolles auf mich wartet. Ich hatte den Stress also schon vor dem Stress! Im Gespräch mit anderen wurde ich als zu sensibel abgestempelt, sollte mir nicht alles so zu Herzen nehmen.

 

Mmhh, lag es wirklich an mir? Sollte ich mir bloss ein dickeres Fell zulegen? Den Job wechseln – schon wieder!? Unangenehme Situationen weckten in mir den Urinstinkt nach Flucht oder Totstellen. Beides nicht sehr konstruktiv, könnte man meinen. Aber ich hatte schon alles Mögliche ausprobiert, um mich zu ändern, anzupassen, harter und direkter zu werden. Dass dies nicht mein Weg ist, wurde mir irgendwann klar.

 

Jeden ersten Montag im Monat sprechen und meditieren wir zu Themen rund um die Berufung.

 

Am 4. September geht es um "Hochsensibilität und Berufung"

Sei um 20.00 Uhr live und kostenlos mit einem Klick dabei - ich freue mich auf dich!

 

Mein Nervensystem brauchte nach einer explosiven Situation einen Moment, um alles zu verarbeiten und in Ruhe über eine konstruktive Lösung nachzudenken. Explodierte ich dennoch selber einmal, reagierte ich zu hektisch und meist zu heftig. Nur, um danach körperlich erschöpft zu sein. Ich zitterte am ganzen Körper und war wieder am selben Punkt: Reizüberflutung.

 

Diese hohe Sensitivität gegenüber meinem Umfeld, ja, diese Verletzlichkeit, ist etwas, das wir gelernt haben als Schwäche anzusehen. Wir haben gelernt, dass uns Verletzlichkeit klein und angreifbar macht und wir uns schützen müssen.

 

Was, wenn ich meine Verletzlichkeit als Grösse und Stärke anerkenne? Was, wenn ich genau durch meine Verletzlichkeit Zugang zu meinen Talenten und Stärken habe, die mich erfolgreich machen? In diesem Zustand der Verletzlichkeit haben wir keine Mauern um uns herum – wo wir doch gelernt haben, wie wichtig diese Schutzmauern sind! Gleichzeitig sind diese Mauern jedoch unglaublich anstrengend. Es kostet uns viel Energie, sie aufrecht zu erhalten und gegen aussen zu verteidigen. Schade daran ist zudem, dass auch die schönen und guten Dinge nicht mehr zu uns durchdringen.

 

Was, wenn ich meine Verletzlichkeit als Grösse und Stärke anerkenne? Was, wenn ich genau durch meine Verletzlichkeit Zugang zu meinen Talenten und Stärken habe, die mich erfolgreich machen?

 

Was also kann ich stattdessen tun? Ich kann ganz bei mir bleiben, bewusst in meinem Körper, meine Verletzlichkeit als Stärke anerkennen und Dinge, die mir nicht gut tun, durch mich hindurchfliessen lassen. Ich brauche sie nicht an Mauern abprallen zu lassen, sondern kann sie einfach durch mich hindurchfliessen lassen. Es braucht ein bisschen Übung, aber du wirst merken, dass dich intensive Situationen immer weniger aus der Bahn werfen und du schneller bereit bist, konstruktiv zu reagieren.

 

Um es praktisch in den Alltag zu übertragen: Heute sage ich in solch explosiv-intensiven Situationen Folgendes: Lass uns später in Ruhe darüber reden, wenn wir einen klaren Kopf haben. Oder ich weise die Leute am Telefon darauf hin, dass es auch in freundlichem Ton geht und ich dann gerne bereit bin, auf ihr Anliegen einzugehen.

 

Du wirst bemerken, wie gut es tut, bei dir zu bleiben, nicht auf die negative Energie deines Gegenübers einzusteigen, sondern sie wahrzunehmen und durch dich hindurchfliessen zu lassen.

 

Von Herz zu Herz

 

Nadine

 

Als Hilfestellung habe ich das Notfall-Set für dich kreiert. Deine Sofort-Hilfe, wenn's mal wieder stürmt:

  • Meditation: Was tun bei Überforderung?
  • plus: Mutmach-Video mit Tipps, wenn du in einer unangenehmen Situation feststeckst

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