Die Chance in der Trauer - Die Wahrheit über meine dunkelste Zeit

Als ich vor einigen Jahren nach meiner Krebserkrankung mit Depressionen kämpfte, hatte ich den Nullpunkt erreicht. Meinen alten Weg, den akademischen Weg, hatte ich verlassen, aber mein neuer Weg lag noch verborgen. Ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen soll.

 

Diese Leere auszuhalten hat mich fast zerbrochen. Am Morgen aufzuwachen und als Erstes dieses Nichts zu spüren, keinen Grund zu empfinden, weshalb ich aufstehen sollte, war schrecklich.

Eines der Hauptgefühle war Scham. Ja, ich habe mich geschämt, dass es mir im Vergleich mit anderen doch gut geht und ich trotzdem ein Häufchen Elend war. Dich in diesem Moment mit anderen zu vergleichen bringt dich kein Stück weiter - im Gegenteil. Es ist an der Zeit, um Hilfe zu bitten. Mit Menschen meines Vertrauens und professioneller Unterstützung habe ich mich bis zum Talboden sinken lassen, um von dort aus neue Wege zu finden. Ein langer Weg, der mir aber so viel über mich selber gelehrt hat. Ein Weg, der es mir ermöglicht hat, ganz viel Altes und Schweres loszulassen und mit leichterem Gepäck weiterzureisen.

Die Botschaft deines inneren Lichts

Nun hat mich das Leben mit einem intensiven Selbsterhaltungstrieb ausgestattet, der es mir unmöglich macht, längere Zeit in einem Tief zu verharren. Selbst wenn ich eigentlich noch liegenbleiben möchte, gibt es tief in mir ein Licht, das mich anstupst und mir sagt:

 

"Ich weiss, es ist gerade unendlich schwer, aber du bist nicht nutzlos, du bist kein Fehler und du hast eine Aufgabe. Ich weiss auch, dass du sie momentan nicht sehen kannst und nicht weisst, weshalb du weitergehen sollst. Aber wenn du nichts und niemandem vertrauen kannst, vertraue auf mich. Ich bin dein inneres Licht, das nie erlischt."

Die Chance nutzen

Und dann stehe ich auf, akzeptiere die Leere, akzeptiere meine Ungewissheit, die Trauer und den Schmerz. Und ich halte mein Licht in meinen Händen. Das Licht, das die Dunkelheit zumindest so weit ich Schach hält, dass ich einen Fuss vor den anderen setzen kann. Denn mehr braucht es nicht.

 

Es braucht in diesem Moment keine radikale Veränderung meines Lebens.

Es braucht keine grosse Helden-Geste.

Es braucht keine laute Stimme.

Es braucht nur anzunehmen, was ist, und trotzdem weiterzugehen. Im Vertrauen, dass dieses Tief eine Chance ist. Im Vertrauen in mein Licht. Im Vertrauen in meinen Weg. Im Vertrauen darin, dass ich etwas zu geben habe.

 

Von Herz zu Herz

 

Nadine (das übrigens "die Hoffnung" bedeutet)

 

Bitte schäme dich nicht, dir professionelle Hilfe zu suchen, wenn du nicht mehr aus deinem Tief herausfindest! Du findest zum Beispiel Hilfe beim Verein zur Bewältigung von Depressionen (Schweiz), bei der Deutschen Depressionshilfe (Deutschland) oder bei Depression.at (Österreich). Gib nicht auf, es gibt immer einen Weg!

 

Wenn du spürst, dass du mit etwas liebevoller Unterstützung deinen Weg wieder findest, teile dich deiner Familie und deinen Freunden mit und bitte sie um Hilfe. Vielleicht hilft dir auch mein Notfall-Set: eine Meditation bei Überforderung plus ein Mutmach-Video.

 

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